Exkursion zur Gedenkstätte Buchenwald

Exkursion zur Gedenkstätte Buchenwald

Buchenwald – es klingt nach einem ruhigen und unscheinbaren Örtchen in der Nähe von Weimar. Doch was dort für grausame Dinge im zweiten Weltkrieg passiert sind, durfte das 2. Schuljahr vor einiger Zeit bei einer Exkursion erfahren:

Schon auf der Busfahrt dorthin haben wir durch eine Mitarbeiterin des Glaubenszentrums und auch den Busfahrer Hintergrundinformationen zum KZ Buchenwald erhalten. Es war eines der größten Konzentrationslager Deutschlands und wurde zwischen Juli 1937 und April 1945 als Arbeitslager betrieben. Etwa 250.000 Menschen aus allen Ländern Europas waren in diesem Zeitraum dort inhaftiert. Die Zahl der Todesopfer wird auf etwa 56.000 geschätzt. Besonders interessant war auch, dass das KZ bis zu 136 Außenlager unterhielt – eines davon war von Oktober 1944 bis April 1945 in Bad Gandersheim, wo die Produktion von Flugzeugteilen erfolgte. Die höchste Zahl an Zwangsarbeitern besaß das KZ Bad Gandersheim mit 584 im November 1944. In seinem Buch „Menschengeschlecht“ schildert der ehemalige Häftling Robert Antelme seine Zeit in diesem Lager.

So sind wir Botschafter Christi, und Gott gebraucht uns, um durch uns zu sprechen

Wir erfuhren auch vom Pfarrer Paul Schneider, der als „Prediger von Buchenwald“ bekannt und mehrfach inhaftiert wurde, weil er Mitglied der „Bekennenden Kirche“ war. Trotz massiver Folter und Misshandlungen hielt Schneider am Wort Gottes fest und beugte sich nicht unter Hitlers Regime! Der Vers aus Apostelgeschichte 5,29 entsprach seiner Grundhaltung: „Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen!“. Letztendlich wurde er durch eine starke Überdosis des Herzmedikaments Strophanthin ermordet. In seiner Gedenkzelle im Bunker, in der er über ein Jahr gefangen gehalten wurde, steht der Bibelvers aus 2. Korinther 5,20: „So sind wir Botschafter Christi , und Gott gebraucht uns, um durch uns zu sprechen. Wir bitten inständig, so, als würde Christus es persönlich tun: ‚Lasst euch mit Gott versöhnen!‘“. Der bekannte Theologe Dietrich Bonhoeffer bezeichnete Schneider als den ersten Märtyrer der „Bekennenden Kirche“. Auch Bonhoeffer war kurzzeitig im KZ Buchenwald inhaftiert, wurde aber am 9. April 1945 im KZ Flossenbürg zum Tod durch Hängen verurteilt und hingerichtet.
Nach den bewegenden Zeugnissen dieser mutigen Männer Gottes und zum Abschluss der Busfahrt durften wir uns alle gemeinsam mit dem Abendmahl daran erinnern, dass auch wir – so wie Schneider und Bonhoeffer – Botschafter Christi sind und durch sein Blut mit Gott versöhnt wurden.

Die Vergangenheit zeigt, welche Abgründe sich im menschlichen Herzen auftun können, wenn ein Mensch sein eigener Herr und Gott ist

Nach dem Ankommen in der Gedenkstätte Buchenwald schauten wir einen 30-minütigen Film, der uns einen weiteren Einblick über den Nationalsozialismus und das KZ Buchenwald gab. Kurze Zeit nach dem Film begann unsere Führung durch die Gedenkstätte mit einem Zeitzeugen als Führer, der selbst in Weimar geboren und aufgewachsen ist. Unter anderem erzählte er, dass schon sein Großvater und auch sein Vater damals geschwiegen haben, weil sie genau wussten, dass sie selbst ins KZ kommen würden, wenn sie gegen das NS-Regime aufgestanden wären. So schwieg die ganze Familie zu den hässlichen Machenschaften im KZ Buchenwald, wie viele tausend andere Deutsche auch, um wenigstens den Frieden im eigenen Hause zu bewahren. Ungewiss ist, ob wir damals so mutig gewesen wären, gegen das Unrecht aufzustehen, oder ob wir aus Angst vor Folter oder Mord auch geschwiegen hätten.

Die Führung war informativ, erschütternd, machte sprachlos und weckte gleichzeitig immer wieder die Frage, wie der Mensch zu so grausamen Taten anderen Menschen gegenüber fähig sein kann. Die Vergangenheit zeigt, welche Abgründe sich im menschlichen Herzen auftun können, wenn ein Mensch sein eigener Herr und Gott ist.

Wenn wir nicht gegen Ungerechtigkeit aufstehen, solange wir in Freiheit leben, wer dann?

Vorort hatten wir nach der Führung die Möglichkeit, das Gelände und die Museen eigenständig zu besichtigen, um tiefere Einblicke in den Alltag und einzelne Schicksale der Menschen zu bekommen. Zum Abschluss versammelten wir uns dann noch einmal als ganze Gruppe auf dem zentralen Platz des Lagers, dem Appellplatz, auf dem die Häftlinge Tag für Tag morgens und abends zum Zählappell aufmarschieren mussten. Ergänzend erhielten wir weitere Informationen über die „Bekennende Kirche“, die, wie Martin Luther, einen blinden Fleck in Bezug auf die Judenfrage hatte, da sie keine Stellung dazu bezog. Martin Niemöller, Mitgründer der „Bekennenden Kirche“ und von 1937 bis 1945 inhaftiert, fasste 1976 das Geschehene in der Zeit des Nationalsozialismus so zusammen: „Als die Nazis die Kommunisten holten, habe ich geschwiegen; ich war ja kein Kommunist. Als sie die Sozialdemokraten einsperrten, habe ich geschwiegen; ich war ja kein Sozialdemokrat. Als sie die Gewerkschafter holten, habe ich geschwiegen; ich war ja kein Gewerkschafter. Als sie die Juden holten, habe ich geschwiegen; ich war ja kein Jude. Als sie mich holten, gab es keinen mehr, der protestieren konnte.“ Uns wurde dadurch bewusst, dass Gleichgültigkeit schlimmer ist als Hass! Wenn wir nicht gegen Ungerechtigkeit aufstehen, solange wir in Freiheit leben, wer dann? Der Vers aus 2. Korinther 5,20 macht uns klar, dass wir nicht einfach so mit Gott versöhnt wurden, sondern damit wir Licht in diese dunkle Welt bringen und die Botschaft der Versöhnung und Erlösung durch Jesus Christus verbreiten.

Zur Erinnerung an das Geschehene hielten wir eine Schweigeminute ab, die von einer gemeinsamen Proklamation gefolgt war, in der wir bekanntgaben, dass wir in Zukunft nicht schweigen werden, wenn sich vor unseren Augen Unrecht abspielt; sei es Unrecht gegenüber Schwächeren oder auch und vor allem unseren jüdischen Geschwistern gegenüber. Gefolgt war die Proklamation von einer Zeit des Lobpreises und der Anbetung, in der wir Gott dafür dankten, dass er trotz allem Leid und Unrecht in der Welt alles in seiner liebenden Hand hält und souverän herrscht und regiert.

Die Rückfahrt verbrachten viele damit, über das Gesehene und Gehörte nachzudenken – und eins haben wir uns für die Zukunft fest vorgenommen: Wir schweigen nicht!