Liebe zum GANZEN Wort Gottes entwickeln

Liebe zum GANZEN Wort Gottes entwickeln

Heute möchte ich dich mit in meine persönliche Bibellese nehmen. Ich weiß nicht, wo du selbst stehst oder wie es dir generell damit geht. Aber ich bin immer total begeistert, wenn ich im Wort Gottes lese, mich etwas anspricht und mir eine Offenbarung oder Erkenntnis zuteilwird. Und über die Jahre des regelmäßigen Lesens in der Bibel hinweg entdecke ich, dass ich Fortschritte mache und zunehmend Zusammenhänge aus dem Wort Gottes wahrnehmen kann. Das begeistert mich ebenfalls.

Darüber hinaus habe ich erkannt, dass nicht nur unser Körper ein natürliches Bedürfnis nach Nahrung hat, sondern auch – und vor allem – unser Geist.

Das mit dem regelmäßigen Lesen in der Bibel war nicht immer so bei mir. Als ich noch relativ neu bekehrt war, unternahm ich immer wieder Anläufe, morgens täglich in der Bibel zu lesen, die dann nach einigen Tagen, Wochen oder spätestens Monaten wieder versandeten. Doch es ließ mich nicht los, und auch wenn es Phasen gab, in denen ich manchmal tage- oder wochenlang nicht im Wort Gottes gelesen hatte, startete ich immer und immer wieder neu durch.
Auf der Bibelschule wurde ich dann mit unterschiedlichen Bibelleseplänen bekannt gemacht, sodass ich innerhalb eines Jahres die ganze Bibel komplett durchlesen könnte. Während des Schuljahrs war ich fleißig dabei, doch in der Zwischenzeit bis zum Start des nächsten Schuljahrs war es nicht immer ganz so einfach dranzubleiben.
Mittlerweile ist es jedoch so, dass ich merke, wie sehr ich es brauche, mir morgens Zeit für die Bibellese zu nehmen, d. h. wie sehr mein Geist die Nahrung aus dem Wort Gottes benötigt, denn: „Der Mensch lebt nicht nur von Brot, sondern von jedem Wort, das aus Gottes Mund kommt“ (Mt 4,4 – NGÜ). Nachdem ich das selbst nachvollziehen konnte und entdeckt habe, dass ich mit dem regelmäßigen Lesen in der Bibel nicht Punkte bei Gott sammeln kann, sondern ich mir quasi selbst einen Gefallen tue, sprach mich dieser Bibelvers viel tiefer an. Darüber hinaus habe ich erkannt, dass nicht nur unser Körper ein natürliches Bedürfnis nach Nahrung hat, sondern auch – und vor allem – unser Geist. Und ebenso wie unser Körper schwächer wird, wenn wir ihn nicht mit Nahrung versorgen, ergeht es auch unserem Geist. Wenn wir also in Gott stark sein wollen, dann müssen wir unseren Geist mit dem Wort Gottes (er-)nähren.

Gott ist immer derselbe

Aber ich wollte dich ja in mein heutiges Erlebnis während meiner Bibellese mit hineinnehmen. Heute morgen las ich im Alten Testament die Kapitel 23–24 aus dem Buch Josua, und ich möchte mit diesem Artikel etwas „Werbung“ für das Alte Testament (AT) machen. Oft meinen wir, Gott im AT ganz anders wahrzunehmen, als im Neuen Testament (NT). So, als wenn er zwischen dem AT und dem NT einen Sinneswandel vollzogen hätte. Doch dem ist nicht so! Jakobus 1,16–17 sagt: „Macht euch nichts vor, meine lieben Geschwister! Von oben kommen nur gute Gaben und nur vollkommene Geschenke; sie kommen vom Schöpfer der Gestirne, der sich nicht ändert und bei dem es keinen Wechsel von Licht zu Finsternis gibt.“ – Was will ich damit sagen? – Dass Gott sich nicht verändert hat und der Gleiche ist im AT wie im NT. Dass er die Menschen im AT genauso liebt wie im NT und dass die Grundlage seines Handelns sowohl im AT als auch im NT immer die Liebe ist! WIR sind diejenigen, die anfangs ungeübt darin sind, das wahrzunehmen und zu erkennen. Und weil dem so ist, möchte ich heute ein paar zentrale Parallelen, die wir beim Lesen im AT für unser eigenes, persönliches Leben entdecken können, mit dir teilen und dich zur „Spurensuche“ ermutigen.

Zurück zu Josua 23–24. In den vorhergehenden Kapiteln geht es darum, dass das verheißene Land, in welches Gott sein Volk geführt hat und welches teilweise bereits erobert war, nun unter den übrigen Stämmen Israels per Losverfahren aufgeteilt wurde. Kurz vor seinem Tod ruft Josua das Volk, seine Ältesten, Häupter, Richter und Vorsteher zu sich (Jos 23,1–4) und erinnert, beauftragt und ermahnt sie noch einmal: „Und der HERR, euer Gott, er selbst wird sie vor euch ausstoßen und vor euch vertreiben, und ihr werdet ihr Land einnehmen, wie es der HERR, euer Gott, euch verheißen hat“ (Jos 23,5). Das übrige Land war bis zu diesem Zeitpunkt „nur“ per Losverfahren aufgeteilt, doch nun, nach Josuas Tod, sollte auch dieses eingenommen werden. Das Volk Israel hatte inzwischen einiges mit Gott erlebt. Jedes Mal, wenn sie Gott fragten, ob sie gegen dieses oder jenes Volk ziehen sollten und Gott ihnen zusagte, dass er das entsprechende Volk in ihre Hand geben würde, erlebten sie es genauso. Ja, wie sie z. B. von der Hure Rahab erfuhren, waren bereits Angst und Schrecken auf die Völker um sie herum gefallen, weil sie gehört hatten, dass Gott mit ihnen (Israel) war (Jos 2,8–11).
Josua ermahnt das gesamte Volk, „alles zu befolgen und zu tun, was im Buch des Gesetzes Moses geschrieben steht“ (Jos 23,6a), dass sie nicht davon abweichen sollen, „weder zur Rechten noch zur Linken“, damit sie sich nicht mit diesen Völkern vermischen, ihre Gewohnheiten und Götzen annehmen und diesen verfallen. Josua betont, dass es Gott war, der die großen und mächtigen Völker vor ihnen vertrieben und für sie (sein Volk) gekämpft hat. „Darum habt gut Acht auf eure Seelen, dass ihr den HERRN, euren Gott, lieb habt!“(Jos 23,11).
Und nun lesen wir Folgendes: „Wenn ihr euch aber abwendet und dem Überrest dieser Völker anhängt, die unter euch übrig geblieben sind, und euch mit ihnen verheiratet, sodass ihr euch untereinander vermischt, so sollt ihr gewiss wissen, dass dann der HERR, euer Gott, nicht länger diese Völker vor euch vertreiben wird; sondern sie werden euch zur Schlinge werden und zum Fallstrick und zur Geißel an eurer Seite und zu Dornen in euren Augen, bis ihr vertilgt seid, aus diesem guten Land, das der HERR, euer Gott, euch gegeben hat!“ (Jos 23,12–13). Was mir persönlich beim Lesen dieses Kapitels groß wurde, war: Ich kann keine Kompromisse eingehen, leben und meinen, Gott würde dann immer noch bejahend an meiner Seite stehen, für mich eintreten und für mich kämpfen, wenn es um die „Landeinnahme“, sprich geistliches Wachstum geht. Und mir wurde bewusst, wie sehr genau DAS umkämpft ist und Sünde, alte Gewohnheiten, unsere alte Natur und/oder der Feind uns genau dazu animieren wollen. All das wird uns „zur Schlinge, zum Fallstrick und zur Geißel“ und verhindert, dass ich das verheißene Land KOMPLETT einnehmen und bewahren kann.

Prozess der Heiligung

Das bedeutet nun nicht, dass Gott von uns erwartet, vollkommen oder perfekt zu sein. Nein! Bei alldem geht es stets um mein Herz! Ist es auf Gott oder mich selbst fixiert? Ist es auf Gehorsam Gott gegenüber oder meinen Eigenwillen ausgerichtet? Strebt mein Herz danach, den Prozess – wohlbemerkt, dies ist ein Prozess(!) – der Heiligung zu durchlaufen? Oder ist mir das vollkommen egal oder gar nicht bewusst? Gott ist heilig, und darum sind auch wir berufen, uns ebenfalls zu heiligen:

„So groß sind also die Zusagen, die Gott uns gemacht hat, liebe Freunde! Deshalb wollen wir uns von allem fernhalten, was uns in unseren Gedanken und in unserem Tun beschmutzt, und wollen in Ehrfurcht vor Gott ein durch und durch geheiligtes Leben führen.“ (2.Kor 7,1 – NGÜ)

„Gott will, dass ihr ein geheiligtes Leben führt. Dazu gehört, dass ihr euch von aller sexuellen Sünde fernhaltet. Jeder von euch muss lernen, Herr über seine Triebe zu sein, denn euer Leben gehört Gott, und die Menschen sollen Achtung vor euch haben. Lasst euch nicht von Begierden und Leidenschaften beherrschen wie die Menschen, die Gott nicht kennen. Keiner darf in diesen Dingen die von Gott gesetzten Grenzen überschreiten und seinen Bruder betrügen. Denn für alle solche Vergehen wird der Herr die Schuldigen zur Rechenschaft ziehen. Im Übrigen wiederholen wir mit dieser Warnung nur, was wir euch schon früher gesagt haben. Gott hat uns dazu berufen, ein geheiligtes Leben zu führen und nicht ein Leben, das von Sünde beschmutzt ist. Wer diese Anweisungen missachtet, missachtet daher nicht einen Menschen, sondern den, der euch seinen Heiligen Geist schenkt – Gott selbst.“ (1.Thes 4,3–8 – NGÜ)

„Bemüht euch mit ganzer Kraft um Frieden mit jedermann und richtet euch in allem nach Gottes Willen aus! Denn ohne ein geheiligtes Leben wird niemand den Herrn sehen.“ (Hebr 12,14 – NGÜ)

Und falls du dich fragst, warum das Volk Israel die anderen Völker immer ausrotten sollte: Das lag daran, dass diese Völker Praktiken, Riten und Götzenanbetung ausübten, die Gott ein Gräuel waren, wie z. B. Kinder durchs Feuer gehen zu lassen oder gar zu opfern. Das ist wie mit einem Korb voller Äpfel, voller gesunder, schöner Äpfel und nur einem einzigen faulen Apfel: Der faule Apfel wird nicht durch die gesunden um ihn herum „angesteckt“ und dadurch gesund, sondern die gesunden werden von dem faulen angesteckt und dadurch schlecht. Und genau davor wollte Gott sein Volk bewahren und beschützen.

Mit Gott leben

Im Buch Richter ist dann zu lesen, wie es nach dem Tod Josuas weitergeht. Zunächst lesen wir von ein paar Stämmen, die mit Eifer dabei sind, Gott gegenüber gehorsam zu sein, und erleben, wie er die anderen Völker vertreibt. Doch noch im ersten Kapitel wird von der Untreue anderer Stämme und der Verschonung der Kanaaniter berichtet. Statt die Völker auszurotten, machen sie sich diese fronpflichtig, wodurch dann Mischehen entstehen, die Riten und Praktiken der Heidenvölker bestehen bleiben, das Volk Israel infizieren und somit von Gott wegziehen.
In seiner Gnade erweckt Gott ihnen Richter, unter deren Herrschaft es dem Volk Gottes wieder gut geht. Doch mehr und mehr erinnern sie sich nur noch dann an Gott, wenn sie in Schwierigkeiten und in großer Not stecken. Erst dann wenden sie sich an Gott und fangen an, zu ihm zu rufen. Auch das spricht zu mir: Ist Gott ein Gott des Alltags für mich oder nur ein Gott für Notlagen? Lebe ich komplett oder nur teilweise mit ihm? Gibt es noch Bereiche in meinem Leben, die ich für mich be- und Gott vorenthalte, aus denen ich Gott ausklammere?

Eine andere Passage aus dem AT, aus der wir sehr viel für unseren persönlichen Werdegang mit Gott ableiten können, finden wir in 2. Mose: den Auszug aus Ägypten. Wir lesen, dass Gott Mose und Aaron auserkoren hat, sein Volk aus Ägypten herauszuführen (2.Mo 3–14). Wir lesen auch, dass das nicht so einfach war und sie starken Gegenwind erlebten, was das Volk mürrisch werden ließ. Nichtsdestotrotz kam der Tag, an dem sie aus Ägypten ausziehen und sogar noch mit Kostbarkeiten beschenkt wurden. Das sagt mir, dass wir – wenn wir in den Wegen Gottes gehen wollen – mit Widerstand von der Gegenseite rechnen müssen und uns davon nicht entmutigen lassen dürfen, sondern – im Gegenteil – dies als Bestätigung dafür sehen lernen dürfen, dass wir uns auf dem richtigen Weg befinden. Denn sonst würde sich der Widersacher nicht so aufbäumen und uns daran hindern wollen, Gottes Wegen und Absichten zu folgen. Und besonders frisch von Neuem Geborene sind manchmal sehr umkämpft, je nachdem, in was sie vorher – geistlich – verstrickt waren und wenn es darum geht, aus ihrem „Ägypten“, aus der Sklaverei und der Herrschaft der Sünde, befreit zu werden.

Und noch etwas Anderes, sehr Ermutigendes finde ich gleich zu Beginn in 1. Mose 1. Dort lesen wir öfter: „Gott sprach … Und es geschah so“. Wusstest du, dass alles, was existiert, ein ausgesprochener Gedanke Gottes ist? Gott sprach aus, was werden sollte, und es wurde! Das sagt mir – da wir Gott ähnlich gemacht sind (1.Mo 1,26–28) –, dass auch meine und deine Worte Schöpferkraftin sich bergen – und zwar zum Guten und zum Schlechten: „Tod und Leben steht in der Zunge Gewalt; wer sie liebt, isst ihre Frucht“ (Spr 18,21).
Dies sind nur ein paar wenige Beispiele, wie das AT zu dir persönlich sprechen kann und das NT nicht ohne das AT denkbar ist. Höre Jesus selbst dazu aus Matthäus 5,17: „Denkt nicht, ich sei gekommen, um das Gesetz oder die Propheten außer Kraft zu setzen. Ich bin nicht gekommen, um außer Kraft zu setzen, sondern um zu erfüllen.“ Gerne kannst du noch die weiteren Verse bis Vers 20 lesen. So hast du den gesamten Kontext.

Nicht alles ist ratsam

Darum sei ermutigt, das Lesen im AT nicht zu vernachlässigen, sondern mit in deine tägliche Bibellese zu integrieren. Und wenn du im AT wieder einmal an eine Stelle kommst, bei der du denkst „Wow! Das ist aber starker Tobak. Das kann ich nicht nachvollziehen. Warum ist Gott da nur so hart?“, dann denk daran: Je heftiger die von Gott angekündigte Konsequenz für eine Sünde, eine Übertretung seiner Werte ist, desto schädlicher, gefährlicher ist sie für dich! Und sowohl die Ankündigung als auch die Umsetzung (!) der angekündigten Konsequenzen dienen einzig und allein dazu, dich daran zu hindern, dich auf so etwas Gefährliches und Schädliches einzulassen. Ja, es soll dich davor bewahren, indem es dich abschreckt, dich darauf einzulassen. Und glaube mir: Wir müssen nicht erst alles ausprobieren, um hinterher festzustellen, dass es uns tatsächlich nicht gutgetan und uns und unserer Beziehung zu unserem himmlischen Vater geschadet hat.
Gott hat bei alldem nur unser Bestes im Blick! Und wenn Dich das Wort Gottes von etwas überführt, dann komme nicht unter Verdammnis, Leistungsdruck oder ähnliches, sondern nimm die Korrektur dankbar entgegen und schau, ob du da nicht sogar eine Verheißung entdecken kannst!
Du bist auf dem Weg! Noch nicht am Ziel, aber auf dem Weg – und schon lange nicht mehr dort, wo du einmal begonnen hast. Gott will dich nicht anklagen oder „niedermachen“, sondern ermutigen, aufbauen und wiederherstellen.

Sei gesegnet und ernähre deinen Geist mit Fleiß.

Andrea Veltkamp

ist Leiterin der Buchhaltung und Verfasserin des Fürbittebriefs im Glaubenszentrum.