Zurück zur Normalität?

Zurück zur Normalität?

Zurück zur Normalität – für viele ein Wunsch. Doch zuvor sollten wir uns Fragen stellen wie: Ist das, was vorher normal war, der richtige Weg? War dieser angemessen oder was für Veränderungen sind gerade aufgrund von der Corona-Zeit eine Chance? Was ist normal in der Gemeinde Jesu? Und was ist notwendig für die Zukunft? So kann z. B. die Modeindustrie oder besser gesagt der Handel nicht einfach zur Normalität zurückkehren! Über die ersten acht Wochen der Corona-Zeit wurde kaum etwas verkauft und man blieb auf der Ware sitzen, große Lager wurden mitunter angemietet in der Hoffnung, nächstes Jahr alles vermarkten zu können oder es mit einer Rabattschlacht loszuwerden. Dies verlangt ein deutliches Umdenken.

Als Menschen gewöhnen wir uns nach sechs Wochen an Veränderung und somit an das Neue. Wir haben unbewusst in der Corona-Zeit neue Gewohnheiten entwickelt. Es gab einen richtigen Boom an Gottesdiensten, die über Zoom oder per Livestream gehalten wurden. Ist das die neue Normalität? Dient das zur geistlichen Fitness? Auf diese Fragen möchte ich mit einem biblischen Bild antworten: Wir erleben Wehen. Wehen sind Zeiten, die nicht genau vorhersehbar sind. Das weiß jede Mutter bestens. Die Mutter ahnt, dass dieser Zeitpunkt kommt, aber dennoch treten die Wehen schlussendlich plötzlich auf. Ähnlich ist es, wenn wir das Zeitgeschehen wachsam beobachten. Doch wenn die Wehen kommen, sind sie intensiv und haben nur kurze Pausen, bevor die Intensität dann zunimmt, bis das Kind geboren ist. In Römer 8,26 lesen wir, dass die Schöpfung zusammen seufzt. Diese Corona-Krise ist eine der Wehen – und es werden weitere kommen! Wir fragen uns vielleicht, was denn geboren werden soll. Damit möchte ich folgender Frage weiter nachgehen:

Was bringen diese Wehen hervor?

Was möchte Gott aus dieser Schöpfung hervorbringen? – Eine Gemeinde, die Gemeinschaft der Erlösten, die ihn liebt; eine Braut, die in ihrem Herzen ungeteilt für ihren Bräutigam ist. Mir scheint es sehr wichtig, dass wir aus Gottes Sicht verstehen, dass die Jahre hier auf der Erde nicht die Vollendung sind. Es sind wichtige Jahre, die uns auf das Ewige vorbereiten sollen.

Diese Braut ist durch das kostbare Blut Jesu erkauft worden und ihm ganz hingegeben. Diese Braut ist selbstlos, lebt himmlisch orientiert und deshalb so anders, als die Gesellschaft das meist lebt. Der Feind wird diesen Plan zu verhindern suchen, aber Gott wird diese Braut hervorbringen!

Die Corona-Zeit, die man als eine Wehe bezeichnen kann, hat unsere gewohnten Gottesdienste seit Mitte März verhindert. Viele Botschaften kamen durch Livestream oder andere Medien. Für viele ein Segen, doch gleichzeitig sind sie kein Ersatz für das Zusammentreffen der Christen, denn die Beziehungen, besonders unter Corona-Beschränkungen, bleiben auf der Strecke. Eine Isolation findet statt.

Was löst die Corona-Zeit aus?

Dazu möchte ich einige von vielen Punkte nennen und führe sie später aus.

• In manchen Punkten gab es ein weltweites Zusammenrücken im Leib Jesu, gerade auch aufgrund der Medien, die dies ermöglicht haben. So wurde z. B. im Mai Gott weltweit für die Kraft der Heilung gesucht.

• Noch kaum zuvor wurde so intensiv für Entscheidungsträger und Regierungen gebetet. Wir tun gut daran, für die Regierungen und Verantwortlichen zu beten, da sie selbst kaum Antworten haben. Die Gefahr ist auch, dass die Regierung falschen Informationen oder Einflüssen ausgesetzt ist.

• Isolation: die momentan gelobte Distanz verhindert aber Nähe. Unsere sozialen Fähigkeiten nehmen immer mehr ab. Viele ältere Menschen waren sehr, sehr einsam, und teils sind sie in dieser Einsamkeit verstorben. In unserer heutigen Gesellschaft haben wir immer mehr Singles, unabhängige Haushalte. Gerade eine Corona-Zeit zeigt hier die große Problematik auf, wenn Menschen in Einzelhaushalten leben. Kürzlich habe ich in einer Studie gelesen: „Einsamkeit ist tödlicher als Fettleibigkeit“ (Stern).

• Der Begriff Familie wurde zu Hause und im Leib Christi mit mehr Leben, Liebe und Wertschätzung gefüllt. Gleichzeitig gab es auch gegenteilige Auswirkungen. Was lernen wir gerade in Corona-Zeiten? – Familie ist sehr kostbar. Wer eine heile Familie erlebt, merkt plötzlich, wie bereichernd, aber auch tragfähig Familien für die Gemeinschaft sind. Wenn da Schwachstellen sind, führen diese zu erheblichen negativen Auswirkungen.

• Die Gemeinde Christi ist herausgefordert, auch außerhalb ihrer großen Versammlungslokale Wege zu finden.

• Der einzelne Christ ist aufgefordert, selbst zur Quelle zu kommen und zu trinken. Einfach im Gottesdienst etwas aufzutanken, meist passiv, geht nicht mehr. Aber wie lerne ich, mich selbst zu ernähren? Meine Enkelin übt und lernt gerade, selbstständig zu essen. Dies klappt nicht immer und braucht Ausdauer. Über die Jahre stelle ich in der Bibelschule fest, dass man lernen muss, sich geistlich gut zu ernähren, und dass dies keine Selbstverständlichkeit ist, die jeder Christ beherrscht. Deshalb haben wir bei der JuKuBi@Home eine Anleitung zum Biblestudy angeboten. Dies ist eine Hilfe für junge Leute zu lernen, sich selbst geistlich gut zu ernähren. Es geht nämlich darum, dass wir zur Reife in Christus gelangen. Das bedeutet für mich auch gesunde geistliche Ernährung. Eigenständig, aber nicht unabhängig!

• Diese Zeit macht deutlich, ob wir mit Jesus gut verbunden sind oder ob unser geistliches Leben abnimmt. Die Bibel spricht davon, dass dies kommen wird: Abfall (Hebr 3,12).

• Gerade der Ausfall von Kinderdienst, Jugendprogrammen und Freizeiten ist fatal. Die Schulen sind über Wochen geschlossen oder nur noch online. Was macht das mit der nächsten Generation? Was sind die geistlichen und sozialen Folgen?

• Die Menschen der letzten Tage werden unter anderem selbstsüchtig, undankbar und lieblos sein. Wo stehen wir heute in Bezug auf diese Haltungen?

• Das Evangelium wird auf der ganzen Welt verkündigt (Mt 24,14). Bete, dass dies auch in Europa geschieht, und gib das Evangelium weiter, wo die Menschen dafür offen sind.

• Eine Sicht für das Ewige: Alles Irdische wird erschüttert, doch das Ewige nicht!

• Ängste dürfen uns nicht regieren!

Nun möchte ich einige dieser Punkte ausführen und Lösungsansätze aufzeigen: Innerhalb der Familie findet Korrektur statt, und gesunde soziale Fähigkeiten sind die Folge. Das heißt, wir werden fähig, für andere zu sorgen, also zu Vätern und Müttern in Christus. Vater bzw. Mutter wird man aber nur, wenn man Kinder hat. Eltern haben gelernt, sich zu investieren und anderen zum Wachstum zu verhelfen. Die Menschen allgemein werden aber selbstsüchtig sein, die Lieblosigkeit wird überhandnehmen und Undankbarkeit zunehmen. Dies sind Punkte, die in 2. Timotheus 3,2–3 von Paulus vorhergesagt werden als eine negative Entwicklung der letzten Zeit.

Selbstsüchtig, lieblos, undankbar

Selbstsüchtig – die Bibelübersetzung Hoffnung für alle sagt hier: „… Nur sich selbst und ihr Geld liebend …“, oder später: „… nur sich selbst für wichtig halten …“. Das Wort Selbstsucht sagt es: süchtig nach sich selbst. Sucht ist etwas Ungesundes, gerade auch die Sucht, nur sich selbst im Blick zu haben. Die Lebensmitte solcher Menschen ist also nur sie selbst. Synonyme sind egozentrisch, ichbefangen, narzisstisch. Das Leben mit solchen Menschen wird sehr herausfordernd, weil wir nur dort anknüpfen können, wo es zu deren Vorteil ist. Das macht ein Miteinander fast unmöglich! Dies ist der zentralen Aussage entgegengesetzt, dass wir Gott lieben sollen von ganzem Herzen und unseren Nächsten wie uns selbst. Diese Sucht, sich selbst und seinen Hobbys leben zu müssen, wird nur durch Christus durchbrochen. Wenn wir anfangen, aufgrund des kostbaren Opfers Jesu Gott an erste Stelle zu setzen und nicht uns selbst, werden sich die Dinge in unserem Leben anfangen zu ordnen. Dann kommt interessanterweise der Gedanke der Braut wieder. Eine wahre Braut will ihrem Bräutigam gefallen und nicht zuerst sich selbst. Der Bräutigam ist das Befreiende, so auch Christus in unserem Leben.

Lieblosigkeit, los von Liebe, im Griechischen ohne natürliche Liebe. Wir können uns nun fragen, was natürliche Liebe ist oder wie sie sich ausdrückt. Natürliche Liebe ist ganz deutlich bei jungen Eltern zu sehen, wenn sie innerlich gesund sind. Eine junge Mutter wird sich ein stückweit an ihr Kind aus Liebe verschenken. Wo diese natürliche Liebe fehlt, leiden Partner, Kinder und Mitmenschen. Dies ist auch nicht im Sinne des Schöpfers. (Später noch mehr dazu beim Punkt Familie.) Liebe wird und kann nicht passiv sein, sondern sucht Wege, wie sie sich ausdrücken kann.

Undankbar – gr. acharistos: ohne Gunst füreinander, unfreundlich. Für mich hat das auch mit ohne Wertschätzung für den anderen zu tun. Im Alten Bund in Psalm 50 lesen wir schon etwas sehr Entscheidendes: „Dank ist das Opfer, das ich von dir erwarte“ (V. 14 – Hfa). Zuvor sagt Gott deutlich: „Ich brauche deine Tieropfer nicht“. Doch was Gott sucht, ist ein dankbares Herz. Könnte es sein, dass wir in dieser Zeit ganz besonders darauf achten sollten?! Gott den Dank zu bringen, der alleine ihm gehört? Aber auch unseren Mitmenschen. Sind wir ehrlich: Wir alle verdanken unseren Mitmenschen viel. Kürzlich hat eine Werkstatt unsere Klimaanlage sehr schnell wieder repariert. Mir kam der Gedanke, du könntest nicht nur bezahlen, sondern dich auch direkt bedanken.

Schauen wir diese Punkte an, die Paulus in 2. Timotheus 3 erwähnt, so würde ich zusammenfassend festhalten: Die Haltungen, die dort erwähnt werden, sind alle gegen das gemeinschaftliche Leben vor Gott gerichtet. Selbstsüchtig, lieblos, undankbar usw. Deshalb möchte ich hier einen Gegenpol setzen und das Gemeinschaftliche genauer ausführen.

In der ersten Gemeinde gab es ein großes Verlangen, sich wiederzusehen, wie Paulus und andere schreiben. Er sagt unter anderem: „Ich habe große Sehnsucht nach euch …“ (Phil 4,1 – Hfa). Was für eine Aussage! Heute höre ich aber eher etwas anderes.

Warum ist diese Gemeinschaft so wichtig?

Weil wir vom Schöpfer als Gemeinschaftswesen geschaffen wurden. Der Mensch ist ganzheitlich geschaffen und kann nur gesund leben, wenn er dies im Blick hat. Gerade alte Menschen sterben, weil ihnen diese Gemeinschaft entzogen wurde und sie in der Isolation förmlich die Motivation zum Leben verlieren. Sie geben innerlich auf. Aber ist uns bewusst, dass die Vereinsamung ein Problem unserer Gesellschaft ist? Psychologen warnen vor einer Einsamkeitsepidemie. Als Menschen sind wir mehr als wirtschaftliche Leistungsbringer und verlieren einen großen Lebenswert, wenn wir – aus welchem Grund auch immer – gemeinschaftsunfähig werden.

Gemeinschaft macht uns stark, stabil – und der Austausch mit anders gesinnten ist wichtig zur Meinungsbildung. Ansonsten werden wir ganz leicht durch die Medien gelenkt oder reflektieren gar nicht, weil keine andere Aussage oder Meinung uns zur Reflexion herausfordern. In hauskreisähnlichen Gemeinschaften habe ich erlebt, wie junge Christen im Austausch ihre eigene Meinung überdenken, wenn sie überhaupt schon eine haben. Schön ist, wenn sie dann anfangen, sogar eine biblisch begründete Meinung aufzubauen und diese dann zu leben.

Geistliche Gemeinschaft – warum?

Auch hier macht das Gemeinsame stark. Das kennt jeder, wenn er sich in einer größeren Gemeinschaft trifft. Man fühlt sich gemeinsam verbunden und gestärkt. Jugendveranstaltungen sind hier ein gutes Beispiel. Wenn sich die Jugendlichen zusammenfinden, löst das Stärke und ein Bewusstsein aus: Ich bin nicht allein.

Unter Christen wird der Glauben gestärkt, wenn eine Person von dem berichtet, Zeugnis gibt, was sie mit Gott erlebt hat. Dies löst Auferbauung aus. Das ist eine Sache, die über Zoom auch machbar ist, aber oft wegfällt. Die Menschen sind vorsichtig, dies öffentlich für alle Welt auszudrücken. Hinzu kommt, dass man die Person im Internet meist nicht persönlich kennt, jedoch innerhalb des Hauskreises oder der Gemeinde schon, und das macht ein Zeugnis besonders lebensnah. Wenn Gott bei dieser Person wirken konnte, dann schöpft man Glauben auch für sich.

Gott wohnt und offenbart sich in der gemeinsamen Anbetung stärker, die weit mehr ist als Gesang. Schon in Kriegszeiten wusste man, was für eine Kraft in der gemeinsamen Musik liegt, und hat dies genutzt. Wenn eine Nationalhymne gesungen wird, weckt das eine Gesinnung und setzt Motivation frei. Anbetung ist für mich solch eine himmlische Hymne, wenn wir mit dem Himmel übereinstimmen und unseren Herrn erheben. Da wird in unserer Mitte etwas vom Himmel freigesetzt. Wie oft hört man, dass Gott Menschen in der gemeinsamen Anbetung begegnet oder sie Heilung innerlich und äußerlich erleben, sie Jesus wieder ganz neu sehen oder erneut von einer tiefen leidenschaftlichen Motivation ergriffen werden.

Gemeinsames Gebet ist eine große Kraft. Im Neuen Testament werden mehr und größere Verheißungen auf dem gemeinsamen Gebet als auf dem individuellen, persönlichen genannt. Das heißt nicht, dass wir nicht mehr allein beten sollen. Doch persönliches Gebet ist oft mehr Beziehungspflege mit unserm Herrn. Die erste Gemeinde kannte diese Kraft des gemeinsamen Gebets, wie z. B. Apostelgeschichte 4 aufzeigt.

Gute Gemeinschaft ist auch ein Schutz vor Verführung! Im Hebräerbrief werden wir aufgefordert, dem Zusammenkommen nicht fernzubleiben: „… Indem wir unsere eigene Versammlung nicht verlassen, wie es einige zu tun pflegen, sondern einander ermahnen, und das umso mehr, als ihr den Tag herannahen seht!“ (Hebr 10,25). Bleiben wir von der Gemeinde fern, so mag das anfänglich bequem und nett sein; endlich mal ausgiebig frühstücken, zudem muss ich nervigen Leuten gar nicht begegnen, kann eine Onlinebotschaft anhören … Warum nicht? Werden wir so geistlich stark und reifen in Christus? Geistliche Reife ist nicht unabhängig, sondern ein reifer Mensch wird sich investieren und bleibt kein reiner Konsument. Ich möchte deshalb sehr ermutigen: Lasst uns die Versammlung nicht verlassen, sondern eher die Frage stellen, was ich dazu beitragen kann, dass diese Beziehungen noch weiter gestärkt werden und der gemeinsame Beziehungsgarten in der Gemeinde blüht und einen Duft verbreitet, der andere Menschen anzieht: „Ja, weil Christus in uns lebt, sind wir zur Ehre Gottes ein Wohlgeruch, der sowohl zu denen dringt, die gerettet werden, als auch zu denen, die verloren gehen“ (2. Kor 2,15 – NGÜ). Gemeinschaft will gepflegt werden! Jeder Garten verwildert, der nicht gepflegt wird. Das weiß jeder Gärtner nur zu gut. Es braucht Demut, Sanftmut, Liebe und Wahrheit, dass Immer-wieder-aufeinander-Zugehen, ohne das keine echte Gemeinschaft gelebt werden kann.

Ehe muss dringend in dieser Zeit gestärkt werden. Wer nicht nur fleischlich und seelisch Einheit lebt, sondern auch geistliches Leben in der Ehe, der setzt himmlisches Leben frei. Und nur eine gesunde Ehe kann eine gesunde Familie hervorbringen. Dann kommt es gar nicht zu einem unlösbaren Problem, wenn die Schule ausfällt, oder zu häuslicher Gewalt oder Missbrauch. Alles tragische Dinge! Wenn in der Ehe die Grundlage gut gelegt wurde, dann können Konflikte gelöst werden. Darum tut jeder gut daran, der besonders in den ersten Jahren in die Ehe investiert und daran baut – und somit nicht in die Falle tappt, alles entwickelt sich schon von alleine zum Guten. Beziehungen leben vom Geben und Nehmen, und sie müssen, wie oben erwähnt, gepflegt werden. So entstehen lebenslange Freundschaften, die auch Tiefen standhalten.

Freundschaft ist Balsam für die Seele, teilt Freud und Leid, schenkt das Gefühl von Geborgenheit, gibt Feedback. Freundschaften tun gut. Ihre echte soziale Unterstützung federt Stress ab, sorgt dafür, dass wir uns wohlfühlen, und stärkt sogar die Abwehrkräfte von Körper und Seele.

Besonders negativ fällt laut einer Studie die Bilanz von Freundschaften im Alter zwischen 18 und 24 Jahren auf. Hier ist ein deutlicher Rückgang zu verzeichnen. Das Internet kann wahre Freundschaften nicht ersetzen! Laut einer Umfragestatistik wird deutlich, dass man zwar Freunde übers Internet finden kann, jedoch findet „echte Freundschaft“ mitten im Leben statt.

Freundschaften pflegen: Einfacher oder schwieriger als je zuvor?

„Laut Bundesverband Digitale Wirtschaft“ verbringen wir im Durchschnitt täglich 71 Minuten in sozialen Netzwerken – neuerdings wahrscheinlich sogar noch viel mehr. Die Wirkung einer echten Umarmung durch einen anderen Menschen können allerdings weder Emojis noch eine nette Nachricht ersetzen. Aber im Moment ist auch das aufgrund von Social Distancing gar nicht immer möglich. Schwierige Bedingungen für Freundschaften? Zeit, einmal Bilanz zu ziehen und sich generell zu fragen: Wie viel Zeit verbringst du bei WhatsApp, Facebook & Co? Und wie viel live mit deinen Freunden?“ (Antje Heimsoeth)

Um eine befriedigende Ausarbeitung zu diesem Thema zu vermitteln, müsste dieser Beitrag viel länger ausfallen, doch möchte ich hier nur notwendige Punkte aufzeigen, die wir im Blick haben sollten, wenn wir uns wie zu Beginn die Frage stellen: „Was ist denn Normalität?“. Zur Normalität gehören unter anderem diese Punkte:

• gute Beziehungen, die gepflegt werden müssen: Das Unkraut kommt wie im Garten schnell genug.

• dass wir die Ehe keinesfalls vernachlässigen, sondern stärken, ganz besonders in dieser Zeit: Denn wie bereits erwähnt: Ehe ist kein Selbstläufer!

• Familie muss Priorität sein, denn sie macht uns gerade in solchen Zeiten stark: Zurzeit bin ich besonders um die nächste Generation besorgt. Sie erlebt diesen Lockdown noch stärker. Wie kann sie sozial wachsen, wo bekommt sie gute geistliche Nahrung, wenn es keine Kinderstunden oder Jugendfreizeiten von Gemeinden gibt usw.? Als Eltern sollten wir auch priesterlich die Familie leiten und versorgen. Eine echte Herausforderung, oder?

(Hierzu gebe ich zwei Empfehlungen aus unserem Medienshop: „Mit dem Wort im Familienalltag leben“, Best.-Nr. 260 151 14 oder als Download 270 151 14; „Geistliche Unterweisung unserer Kinder und Teenies“, Best.-Nr. 260 212 14 oder als Download 270 212 14.)

Damit bin ich beim nächsten Punkt:

Abfall

Abfallen können nur Menschen, die ursprünglich auf Kurs waren, diesen aber verloren haben. Momentan sind durch Corona viele Gemeinde verhindert, gemeinsame Gottesdienste abzuhalten. Das hat zur Folge, dass viele Christen nicht mehr verbindlich mit der Gemeinde verbunden sind, sondern Botschaften im Internet finden, die ihnen gefallen. Doch das birgt Gefahren in sich. Schon Daniel hat in dem bekannten Vers Daniel 11,32a erwähnt, dass sie abfallen, indem sie verleitet werden. Abfallen, aber wie? – Indem sie verleitet werden. Beachten wir diese Aussage: „Und diejenigen, die sich am Bund schuldig machen, wird er durch glatte Worte zum Abfall verleiten“. Dann lesen wir in 2. Thessalonicher 2,3 ebenfalls davon: „Dass niemand euch auf irgendeine Weise verführe! Denn dieser Tag kommt nicht, es sei denn, dass zuerst der Abfall gekommen und der Mensch der Gesetzlosigkeit offenbart worden ist, der Sohn des Verderbens; …“ Ich möchte kurz diesen Gedanken betrachten: Abfall kennen wir im Alltag. In Deutschland sind wir Meister in der Mülltrennung. Bei Früchten entsteht z. B. Abfall, wenn sie zulange liegen oder beschädigt waren. Es fällt etwas ab, nämlich das Gesunde. Betrachten wir dies, so entsteht Abfall aus Produkten, die ursprünglich gesund waren. Übertragen wir nun diesen Gedanken auf das Wort Abfall in der Bibel, so müssen wir feststellen: Abfallen werden Christen, die ursprünglich gesund waren und dazugehört haben.

Die Frage ist sicherlich: Was führt dazu? Könnte es sein, dass sie, wie beim Obst, einen Stoß abbekommen haben, frustriert sind oder von einem Insekt gestochen wurden? Sind Würmer dabei, sie zu zerfressen? Hebräer 3,12 sagt: „Seht zu, Brüder, dass nicht etwa in jemandem von euch ein böses Herz des Unglaubens sei, im Abfall vom lebendigen Gott, …“.

Ich kenne Menschen, die von andern Christen enttäuscht worden sind, d. h. Stöße abbekommen haben, sich isolieren und schlussendlich eben abfallen. Ich möchte dich bitten: Jeder von uns hat es nötig, hier selbst sein Herz im Blick zu haben und von Gottes Gnade weich halten zu lassen. Gnade deckt nicht alles zu, aber befähigt uns, mit Konflikten zu handeln und zu vergeben, wo dies notwendig ist.

Ein reines Leben führen

Genauer: Ein moralisch reines Leben führen. Dies ist ein weiterer Punkt, der zur Verschlechterung des inneren Zustands führt, wenn wir nicht wachsam sind. Es ist gar nicht so einfach in einer gefallenen Welt, in der viele erregende Bilder über Werbung und auch das Internet verbreitet werden. Ist es uns bewusst, wie unser innerer Mensch Schaden nimmt, wenn wir in Beziehungen wie Ehe und Familie nicht in den Ordnungen des Schöpfers leben? Lies dazu Sprüche 4 und 5, wo gewarnt wird, dass wir die Ehe nicht brechen, und welch tragische Auswirkungen dies hat. Jesus hat deutlich gemacht, dass diese Probleme von innen kommen. Unser Herz muss rein bleiben. Dies wird nur möglich sein, wenn wir es nah an Gott haben und unser Herz im Blick behalten.

Wenn unser Herz nicht mit Gott gesättigt ist, wird es gefährlich. Es ist so wichtig, dass unser Herz geschützt wird, damit nicht alles eindringen kann. Ich möchte dies wieder mit Früchten vergleichen: Wenn die Schale oder Haut beschädigt ist, kommt ganz schnell Fäulnis – ebenso mit unserem Herz. Es fängt damit an, worüber du nachdenkst. Lerne, im Umgang mit Menschen gute, reine Gedanken zu pflegen. Des Weiteren auch was Sorgen oder Ängste anbelangt: Lass sie nicht zu. Weißt du, dass ein enttäuschtes oder von Ängsten bedrängtes Herz eigentlich schon befallen ist? Deswegen ist es so wichtig, dass wir unseren Herrn kennen, der groß genug ist und uns nicht aus dem Blick verliert. Die Lebenssorgen kann er tragen und hat auch da eine Lösung, wo wir diese noch nicht sehen. Ein von Sorgen befallenes Herz ist gefährdet, sich einen falschen Trost zu suchen. Sorgen nehmen unsere positive Sicht von Gott weg. Weil wir diese Gefahr kennen, überlassen wir Sorgen nicht die Oberhand, sodass sie in unser Herz eindringen.

Im Alltag sind wir sehr aufmerksam, dass wir keine verfallenen Produkte essen. Sind wir auch so achtsam, was wir denken, d. h. achten wir auf eine gesunde Schale, damit wir geschützt bleiben? Auch die Entwicklung unserer Gesellschaft kann uns Sorgen machen, doch wissen wir zugleich, dass unser Herr mit uns durch diese Zeit der Wüste gehen und uns hindurchbringen wird. Wie schon erwähnt, ist es seine Absicht, eine Braut hervorzubringen – und dies wird zustande kommen! Wenn wir dies zu Ende denken, dann liegt unserem Herrn mehr daran, als nur unser Erfolg oder Wohlergehen. Die Apostel hatten diese Sicht und haben damals in schwierigen Zeiten siegreich gelebt. Hier gilt es, wachsam zu sein! Deshalb wachet und betet

(Lk 21,36). Gebet ist die Beziehung, in der wir Gott anschauen, unsere Sorgen und Anliegen an den ewigen Vater abgeben können, aber zugleich seine Wünsche und seine unverfälschte Liebe empfangen, die wir dann mit der Hilfe seines Geistes für andere einsetzen.

Abschließend möchte ich dich einladen, in den Zeiten, in denen wir viele Fragen haben, wie die Zukunft aussieht, und in manchen Punkten die Hoffnung schwindet:

Habe eine Sicht für das Ewige!

Gerade in instabilen Zeiten haben wir verschiedene Möglichkeiten, wie wir darauf reagieren können. Jemand sagte mir kürzlich, er sieht, wie die deutsche Regierung sich fast grenzenlos investiert und Schulden macht. Dies wird ja für den Bürger Auswirkungen haben in der Zukunft. Das weckt in ihm Sorgen, denn jemand muss diese Rechnung bezahlen! – Alles sehr verständlich. Diese Bedenken sind nicht unberechtigt. Denn wo führt diese Ansammlung von Schulden hin? Im Nachgang habe ich diese Aussage reflektiert und mich gefragt: Wofür leben wir?

„Sinnt auf das, was droben ist“ (Kol 3,1–3). Die wahren Werte sind nicht hier auf dieser Erde. Ich kenne jemanden, der einen Blick in die Ewigkeit bekommen hat. Diese Person sagt: Wir können uns auf dieser Erde die Schönheit der himmlischen Farben gar nicht vorstellen. Farben sind eine große Bereicherung und machen das Leben sehr schön. Bedenke alleine die Blumen oder die Schöpfung: Alles schwarz-weiß wäre fatal. Sind wir uns aber bewusst, dass alles auf dieser Erde in dieser Schöpfung nur ein Schatten ist im Vergleich zur himmlischen Schönheit? In Psalm 96,6 lesen wir: „Majestät und Pracht sind vor seinem Angesicht, Stärke und Herrlichkeit in seinem Heiligtum“. Pracht ist Ausdruck von Schönheit, die vor Gott ist. Wie gewaltig muss das sein! Wie schön ist ein Sonnenuntergang? Dies ist aber nur ein Schatten zur himmlischen Dimension der Schönheit!

Selbst eine gelungene Beziehung ist nicht immer voller Freude. Psalm 16,11 sagt: „Du wirst mir kundtun den Weg des Lebens; Fülle von Freuden ist vor deinem Angesicht, Lieblichkeiten in deiner Rechten immerdar“. Verstehen wir das? „Fülle von Freuden ist vor deinem Angesicht“! Nicht nur etwas Freude, sondern die Fülle. Was für eine starke Emotion ist Freude im Leben. Enorm, welch Energie sie freisetzt. Und hier spricht er von Fülle. Das bringt uns ja fast zur Explosion der Emotionen. Ich glaube, dass wir uns dies kaum vorstellen können.

Zudem ist auf dieser Erde alles vergänglich. Dies macht uns schon als Menschen genug zu schaffen. Der Prediger sagt dies so: Unter der Sonne ist alles „Nichtigkeit“ (Pred 2,11). Die Schlachter-Übersetzung benennt es „ein Haschen nach Wind“. Wie oft suchen Menschen Sicherheit auf dieser Erde, und doch müssen sie feststellen: Auf dieser Erde ist gar keine wahre Sicherheit vorhanden. 2. Korinther 5,1 besagt: „Denn wir wissen: Wenn unsere irdische Zeltwohnung abgebrochen wird, haben wir im Himmel einen Bau von Gott, ein Haus, nicht mit Händen gemacht, das ewig ist“ (SCH). Gerade im Sommer gehen wir gerne mal Zelten, d. h. wir haben einen Schutz vor der Witterung. Doch sollten wir über das gesamte Jahr in einem Zelt wohnen, ist das in unseren Breitengraden ein sehr schwieriger Lebensumstand. Wir bauen jedoch Häuser und haben einen bleibenden Schutz für unsere Lebensjahre auf Erden. Häuser sind zwar nicht beweglich, aber für das Bleibende gedacht. Wenn nun Paulus hier davon redet, dass wir jetzt in einem Zelt unterwegs sind, dann heißt dies für mich: Die wahre Bleibe ist nicht hier, sondern kommt erst noch! Wie in einem Zelt, nicht stabil unterwegs, so kann sich unser Leben auf Erden oft anfühlen. Paulus sagt selbst in Philipper 2, dass er Lust habe abzuscheiden. Paulus war kein depressiver Mensch, doch hatte er verstanden, was die Ewigkeit beinhaltet. Das Schönste ist: Wir werden Jesus sehen, seine unermesslich gewaltige Schönheit, und davon überwältigt sein.

Ich war kürzlich auf einer Hochzeit eingeladen. Braut und Bräutigam sahen sehr, sehr schön aus. Als dann die Braut unter entsprechender Musik den Raum betrat, war auf ihrem Gesicht ein Ausdruck von großer Freude zu sehen, indem sie auf den Bräutigam zuschritt. Der Bräutigam war in dem Moment von Emotionen überwältigt und ihm standen die Tränen in den Augen, als er sie sah. Dies ist eine Veranschaulichung. Die Braut Jesu wird überaus begeistert und hingerissen sein, wenn sie ihren Herrn sieht und ihm begegnet. Nicht die goldenen Straßen im Himmel sind es, die die Anbetung auslösen, sondern viel mehr unser heiliger Herr, der Löwe und das Lamm auf dem Thron. Ja, Jesus, der sich für seine Braut aus Liebe hingab. Was für ein Moment muss das sein, wenn wir ihn sehen dürfen?! Aber auch andererseits empfängt er das, wofür er sein Leben gab.

Wie oft habe ich erlebt, dass Menschen bei Hochzeiten von dem Moment tief bewegt waren, in dem die Braut den Raum betrat. Wie gewaltig muss erst dieser Moment im Himmel sein?!

Abraham lebte im Vertrauen, hat manches „grüne, erfolgreiche Land“ gehen lassen. In Hebräer 11 lesen wir, dass die Glaubenshelden Verluste hingenommen haben, um ein besseres Reich zu erwarten. Sollten wir deshalb nicht vielmehr hierüber nachdenken als über Gewinne oder Verluste auf dieser Erde? Wie bereits erwähnt, können wir nur anders leben, wenn wir diesem Wort Gottes Beachtung schenken: „Sinnt auf das, was droben ist“. Die wahren Werte sind nicht auf dieser Erde! In dieser Corona-Zeit gibt es viele Fragen. Mancher sucht Orientierung und das berechtigt eben die Suche nach richtiger Führung. Mögen uns zumindest einige der obigen Punkte eine Orientierungshilfe sein!

Angst befällt viele Menschen, gerade auch wegen Corona, insbesondere Menschen mit einer Vorerkrankung. Verständlich, doch wenn wir verstehen, wohin die Reise unseres Lebens geht, dann wird uns nicht Angst regieren. Jesus sagt in Johannes 16,33: „… seid guten Mutes …“.

Abschließen will ich mit dem bekannten Wort aus Psalm 23: „Der Herr ist mein Hirte“. Wie gut, dass dies in der persönlichen Form steht! Dieses Wort kann nur dann wirksam werden, wenn wir aufgrund einer persönlichen Beziehung sagen können: Der Herr ist mein Hirte. Dieser Psalm sagt nicht, dass alles easy ist, sondern redet davon, dass es sogar durchs Todestal geht, so „bist du bei mir; dein Stecken und dein Stab, die trösten mich“ und endet mit der wunderbaren Aussage: „Ich werde bleiben im Haus des Herrn immerdar!“ (SCH). Also auch in Corona-Zeiten tun wir gut daran, wenn wir dem Hirten folgen! Dazu sollen diese Gedanken in diesem Beitrag dienen.

Es lohnt sich, neu darüber nachzudenken: „Was ist Normalität aus Gottes Sicht?“, und dementsprechend unser Leben ausrichten!


Markus Germann

ist Gesamtleiter im Glaubenszentrum.

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