Leben im entgegengesetzten Geist

Leben im entgegengesetzten Geist

– ein Hauptprinzip im Königreich Gottes

TEIL 1 von Christoph Köhler

Vor mehr als dreißig Jahren wurde ich zum ersten Mal durch ein Buch von Loren Cunningham, dem Gründer von Jugend mit einer Mission, mit dieser Thematik konfrontiert. Ich war persönlich sehr bewegt von dem, was ich da las, und erkannte schnell, welche Kraft ein Leben allein auf der Grundlage göttlicher Prinzipien entwickeln kann. Seitdem hat mich die Frage: „Wie kann die Königsherrschaft Jesu ganz real im normalen Christenleben Einzug halten?“ nicht mehr losgelassen. Es ist überwältigend, sich vorzustellen, mit welcher Kraft wir Christen leben könnten und wie durchdringend unser Einfluss als Gemeinde auf gesellschaftliche Normen und Tendenzen wäre, würden wir diese Prinzipien aus Überzeugung und in Einheit leben.

Die grundlegende Bedingung für die Königsherrschaft Gottes unter uns

Das Prinzip vom Leben im entgegengesetzten Geist basiert auf dem Verständnis, dass Gottes Reich in seinem Charakter und seiner Wirksamkeit der Art und Weise unseres jetzigen Weltsystems direkt widerspricht. Wir werden feststellen, dass dieses göttliche „Gesetz“ alle Bereiche der Königsherrschaft Jesu hier auf der Erde durchzieht. Selbst der Sieg Jesu am Kreuz von Golgatha über die Macht der Sünde und des Todes konnte nur auf dieser Grundlage geschehen. Mit dem Verständnis darüber, wie wir dieses „Prinzip“ als Christen ausleben können, erhalten wir von Gott eine der stärksten Waffen gegen unseren Feind, den Teufel. Wir verlassen die natürliche Ebene unseres Lebens und dringen auf die Ebene des Geistes vor.

Tagtäglich erleben wir es in allen Bereichen unserer Gesellschaft: Es wird dem zugehört, der am lautesten schreit. Wer über finanzielle Ressourcen verfügt, hat Privilegien wie kaum ein anderer. Wer Karriere machen will, muss besser sein als die Konkurrenz. Wir leben in einem System, das Leistung belohnt und Schwäche verachtet. Der Stärkste hat die besten Überlebenschancen. Unser gesamtes Wertesystem ist vom Egoismus des Menschen und der Unabhängigkeit gegenüber Gott beeinflusst. Das sind die Auswirkungen einer von Gott getrennten Schöpfung und das Gegenteil von Gottes Ordnung. Das Problem dabei ist, dass wir alle innerhalb dieses Systems aufgewachsen sind. Wenn vom Elternhaus nicht mit biblischen Werten gegengesteuert wurde, konnte die Saat dieser „weltlichen“ Gesetze ungehindert in uns aufwachsen und unser Denken bestimmen. Leider hat auch Gottes Gemeinde vielerorts die Verkündigung des vollen Evangeliums mit klaren biblischen Werten aufgegeben. Aber ohne die Predigt über Buße und die ernsthafte Abkehr von Sünde sowie einen Herrschaftswechsel im Leben des Gläubigen kann es auch keine Königsherrschaft Jesu geben. Darum sind auch die Resultate ernüchternd, und nicht wenigen Christen fehlt das Bewusstsein, wie weit ihr Lebensstil von der Realität biblischer Maßstäbe entfernt ist.

Das Wesen göttlicher Ordnungen ist denen der Welt komplett entgegengesetzt. Dies führt zur entscheidenden Frage, was diese Ordnungen so wichtig für uns macht. Tatsächlich sind sie der einzige Weg, um den Teufel und seine Helfer in unserem Leben als Nachfolger Jesu komplett zu entwaffnen. Wie kann das geschehen? – Allein dadurch, dass wir das Gegenteil dessen leben, was Satan als normale Reaktion eines weltlich gesinnten Menschen erwartet: im entgegengesetzten Geist. Unsere Reaktion ist damit nicht seelischer bzw. menschlicher Natur, sondern vom Geist Gottes inspiriert und am Vorbild Jesus orientiert. Hiermit kann Satan nicht umgehen, weil er auf dieser Ebene keinen Einfluss mehr ausüben kann. Sein Macht- und Einflussbereich ist auf die menschliche, seelische Ebene beschränkt (Wie du mir, so ich dir.). Auf alles, was „darüber“ steht, hat er keinen direkten Zugriff.

Es sind schon viele Bücher über geistliche Kampfführung geschrieben worden und darüber, was alles zu tun ist, um den Einfluss des Teufels in unserem Leben zu brechen. Es hat immense Kraft, das Gegenteil von dem zu leben, was für den Mainstream „normal“ ist. Außerdem entspricht es zutiefst dem Herzen Gottes, denn wir finden diesen Ansatz überall in der Bibel. Das war der Weg Jesu und ist somit auch die ultimative Waffe für jeden, der ihm folgen will. Um Autorität über geistliche Mächte zu erlangen, benötigt es allerdings mehr als nur geistliche Bekenntnisse. Ihre Abdeckung von Gott her und das uns damit geschenkte Mandat, durch Christus im Leben zu herrschen (Röm 5,17), erwächst aus echter Abhängigkeit im Glauben und einem Jesus ähnlichen Lebensstil. Allein dieser hat die Kraft, Satan und seine Dämonen in die Schranken zu weisen, sowohl im persönlichen Leben, als auch innerhalb einer Nation.

Der entgegengesetzte Geist im Leben Jesu

Durch die Art seines Auftretens hat uns Jesus gezeigt, wie wichtig es ihm war, von Beginn an entgegen dem Geist dieses Weltsystems aufzutreten. Jesaja berichtet vorausschauend über sein Erscheinen hier auf der Erde: „Er ist wie ein Trieb vor ihm aufgeschossen und wie ein Wurzelspross aus dürrem Erdreich. Er hatte keine Gestalt und keine Pracht. Und als wir ihn sahen, da hatte er kein Aussehen, dass wir Gefallen an ihm gefunden hätten. Er war verachtet und von den Menschen verlassen, ein Mann der Schmerzen und mit Leiden vertraut, wie einer, vor dem man das Gesicht verbirgt. Er war verachtet, und wir haben ihn nicht geachtet“ (Jes 53,2–4). Sieben Jahrhunderte später bewahrheitete sich diese Prophetie über den kommenden Messias. Jesus war für die religiöse jüdische Elite seiner Zeit nicht mehr als ein „Niemand“. In ihren Augen fehlte es ihm an „Gestalt, Pracht und Aussehen“. Sie konnten es sich nicht vorstellen, dass der Messias, als Sohn des lebendigen Gottes, ein so unspektakuläres und schlichtes Auftreten haben würde.

Die Ausführungen sind auszugsweise einem Kapitel meines neu erscheinenden Buches Dein Reich komme! entnommen.

Christoph Köhler

ist Teil des Leitungsteams im Glaubenszentrum und Leiter der Focus M, unserer Missionsschule.