Leben im entgegengesetzten Geist

Leben im entgegengesetzten Geist

– ein Hauptprinzip im Königreich Gottes 

TEIL 2 von Christoph Köhler 

Herkunft und Status waren der religiösen jüdischen Elite zur Zeit Jesu so wichtig, dass sie sogar die sichtbaren Erweise seiner göttlichen Kraft ignorierten. Ich wage zu behaupten, es hätte uns in der Einschätzung Jesu genauso ergehen können wie den Rabbinern und Schriftgelehrten damals. Trotz allem tat Jesus nichts, um diese Fehleinschätzung zu korrigieren oder an seinem Ruf zu arbeiten. Das überließ er allein seinem Vater. Er lebte seine königliche Autorität tagtäglich für alle Welt sichtbar aus, sodass jedermann seine Schlüsse daraus ziehen konnte. 

Im Philipperbrief berichten uns einige Verse sehr deutlich von der Art und Weise, in der Jesus unter uns Menschen gelebt hat. Dabei ging seine „Karriereleiter“ bis zum Tod steil nach unten: „… der in Gestalt Gottes war und es nicht für einen Raub hielt, Gott gleich zu sein. Aber er entäußerte sich und nahm Knechtsgestalt an, indem er den Menschen gleich geworden ist, und der Gestalt nach wie ein Mensch befunden, erniedrigte er sich selbst und wurde gehorsam bis zum Tod, ja, zum Tod am Kreuz“ (Phil 2,6–8). Diese Verse reflektieren diesen Lebensstil im entgegengesetzten Geist:

(1) Jesus ließ jede himmlische Sicherheit los.
(2) Er war bereit, Mensch zu werden.
(3) Jesus identifizierte sich mit einer sündigen Welt.
(4) Jesus lebte bewusst als Diener aller.
(5) Dabei „starb“ er täglich sich selbst und war bereit, Opfer zu bringen.
(6) Schließlich ließ er sich freiwillig für die Sünden der Welt ans Kreuz nageln.

So wie das Leben Jesu hier beschrieben wird, deckt es sich nicht ansatzweise mit unseren heutigen Vorstellungen von einem siegreichen Leben. Die Welt, in der wir leben, sagt: „Schaffe dir Sicherheiten, kümmere dich um deinen Ruf und lass andere für dich arbeiten. Vermeide persönliche Opfer und verwirkliche deine Träume.“ Genau diese alltäglichen Gedanken bieten dem Teufel die perfekte Plattform, uns zu manipulieren. Jesus wusste um die Gefahr derartiger Auffassungen und, um ihnen die Kraft zu nehmen, lebte er freiwillig das Gegenteil davon. Als er am Kreuz, und damit menschlich gesehen am Tiefpunkt seines Lebens angekommen war, kam für ihn die entscheidende Wende. Während der Teufel davon ausging, ihn als Messias besiegt zu haben, geschah genau das Gegenteil. Gott erhob seinen Sohn aus dem Tod heraus in die höchste Position im gesamten Universum. Er übergab Jesus alle Gewalt im Himmel und auf Erden (Mt 28,18; Phil 2,9–11). Damit wurde der Widersacher Gottes auf der Grundlage von Gehorsam und Unterordnung für alle Zeiten besiegt. 

Jesu Lehre vom entgegengesetzten Geist 

Die markantesten Aussagen über diese Art zu leben finden wir in der Bergpredigt Jesu (Mt 5–7). Diese Kapitel sind von einer Sicht auf die Dinge des Lebens durchzogen, die so ganz anders ist, als wir es heutzutage erleben. Während wir mit dem Verständnis aufgewachsen sind, dass wir für unser gutes Recht kämpfen sollten, sieht Gott das ganz anders. In vielen Situationen ermutigt uns Jesus hier, genau entgegengesetzt unserer menschlichen Natur in seiner Gesinnung zu handeln. Jesus lehrt uns, die Menschen um uns herum loszulassen und freizugeben, großzügig zu sein und unsere eigenen Bedürfnisse nicht an die erste Stelle zu stellen. Jesu Lehre bringt diesen Ansatz auf den Punkt: „Ihr wisst, dass es heißt: ‚Auge um Auge, Zahn um Zahn.‘ Ich aber sage euch: Setzt euch nicht zur Wehr gegen den, der euch etwas Böses antut. Im Gegenteil: Wenn dich jemand auf die rechte Backe schlägt, dann halt ihm auch die linke hin. Wenn einer mit dir vor Gericht gehen will, um zu erreichen, dass er dein Hemd bekommt, dann lass ihm auch den Mantel. Und wenn jemand von dir verlangt, eine Meile mit ihm zu gehen, dann geh zwei mit ihm. Gib dem, der dich bittet, und weise den nicht ab, der etwas von dir ausleihen möchte. Ihr wisst, dass es heißt: ‚Du sollst deine Mitmenschen lieben, und du sollst deine Feinde hassen.‘ Ich aber sage euch: Liebt eure Feinde, und betet für die, die euch verfolgen. Damit erweist ihr euch als Söhne eures Vaters im Himmel“ (Mt 5,38–45 – NGÜ). Dies entspricht der Herzenshaltung Jesu. Wer von uns hat sich in solchen oder ähnlichen Lebenssituationen nicht schon gefragt: „Was würde Jesus jetzt tun?“. Hier finden wir die Antwort darauf. 

Wenn wir Christen lernen, unseren Familien, Nachbarn, Arbeitskollegen und Geschwistern der Gemeinde in dieser Gesinnung zu begegnen, gäbe es keinen Raum mehr für Positionskämpfe und Spaltung. Die Art Jesu entmachtet den Teufel auf allen Ebenen unseres Lebens. Wenn wir auf der Grundlage biblischer Wahrheit reagieren und die Liebe Gottes unser Handeln bestimmt, gibt es keinen Zugang mehr für ihn. Dieser Lebensstil entzieht ihm die Basis für sein zerstörerisches Handeln. 

Aussagen der Bergpredigt zu diesem Prinzip 

  • Komm deinem Gegner schnell entgegen und suche Versöhnung (Mt 5,24–25). 
  • Schwöre nicht, sondern sprich ein klares Ja oder Nein (Mt 5,37). 
  • Wer sich Lohn von Gott wünscht, sollte seine guten Taten im Verborgenen tun (Mt 6,1). 
  • Wer Gott im Gebet berühren möchte, muss weder viel reden, noch sollte er sich dabei vor anderen präsentieren (Mt 6,5–7). 
  • Wer sich zum Fasten zurückzieht, sollte es allein für Gott im Verborgenen tun (Mt 6,16–18). 
  • Sammle deine Schätze nicht hier auf der Erde, sondern im Himmel (Mt 6,19–20). 
  • Sorge dich nicht um den morgigen Tag (Mt 6,34). 
  • Richte niemanden, sondern überlass das allein Gott (Mt 7,1). 
  • Halte dich nicht für unfehlbar, sondern nimm Korrektur bereitwillig an (Mt 7,5). 
  • Erwarte von deinen Mitmenschen nicht mehr, als du selbst zu geben bereit bist (Mt 7,12). 

Jesus beendet diese Auflistung mit der markanten Aussage: „Jeder nun, der diese meine Worte hört und sie tut, den werde ich mit einem klugen Mann vergleichen, der sein Haus auf den Felsen baute …“ (Mt 7,24). Aus eigener Kraft und gutem Willen ist dieses Leben nicht möglich. Deshalb fordert Jesus dazu auf, uns selbst zu verleugnen und unser Kreuz täglich aufzunehmen, wenn wir ihm nachfolgen wollen (Lk 9,23). Nur da, wo ich mir selbst „gestorben“ bin und Jesus der Herr über mein Leben sein darf, wird die Kraft für diesen Weg freigesetzt. 

Die Ausführungen sind auszugsweise einem Kapitel meines neu erscheinenden Buches Dein Reich komme! entnommen. 

Christoph Köhler

ist Teil des Leitungsteams im Glaubenszentrum und Leiter der Focus M, unserer Missionsschule.